Jan 9, 2019

[DE] IT macht Spaß

Eine kleine Geschichte aus meinem Leben als Systemadministrator und wieso ich so einen
Spaß daran habe.

Anfänge in der Schul-IT

Als in der 6. Klasse bei der PC-Einführung Karsten, der damalige Sysadmin meiner Schule, zu mir meinte, dass er sich sehr freuen würde, wenn ich Teil seiner AG werden würde, welche sich u.A. um die Administration des Netzwerks kümmert. Da bin ich dann hin gekommen, habe HTML gelernt und dann das Verwaltungssystem Sykus 3, hier mein Clone der Internetseite, weil diese nicht mehr existiert, kennen und lieben gelernt. Als das System dann eingestellt wurde, hat die Stadtverwaltung den Wechsel auf IServ beschlossen und somit auch einen riesigen Mehraufwand.

Windows kommt oder die Trauer für das alte System

Der Wechsel von Linux auf Windows war eine Qual. Rechnerinstallationen haben plötzlich Stunden statt genauer, entspannter 4:50 Minuten gedauert. Updates, wenn sie dann mal funktionieren, dauern auch ewig, statt genauer 4:50 Minuten. Und Defekte am Betriebssystem oder Konfigurationsdateien wurden innerhalb von 4:50 Minuten gelöst, und nicht wie bei Windows durch eine ewig lange Neuinstallation. Die Clients von Sykus 3 waren sogar so schlau, dass sie den Benutzer aufgefordert haben den Rechner bei einem Fehler neu zu starten, wenn irgendwas nicht gestimmt hat. Wenn danach der Fehler immer noch existiert hat, gab es einen Hinweis mit einem Text, der dem Admin gesagt werden sollte, damit dieser wusste, was kaputt war.
Diese ganze Einfachheit wurde genommen und ich habe das in den letzten Jahren ohne das System extrem vermisst. Dieses Gefühl der grenzenlosen Macht, weil man seine Weboberfläche hatte, in der man alles sehen und steuern konnte und man wusste, dass alles funktioniert. Oder wenn es halt nicht funktioniert, dann hat man es sehr schnell mitbekommen. Das Büro wurde aber sehr selten verlassen.

Arbeitsalltag mit Windows und IServ

Mit der Umstellung auf Windows ist die Zahl der Administratoren explodiert. Man hat jede helfende Hand gebraucht, weil es immer irgendwelche Rechner gab, die Zicken gemacht haben. Und es ist grausam. Eine riesige Belastung für alle Beteiligten, viel Zeit, die verloren geht, weil man zu Rechnern laufen muss, weil Windows Updates machen muss, opsi mal wieder keine Programme installiert oder die Smartboards mal wieder auf magische Art und Weise ihre Config verlieren und man Lotto mit den Bildschirmauflösungen spielen darf, weil die aus irgendwelchen Gründen von Rechner zu Rechner unterschiedlich sind, obwohl die gleichen Smartboards da dran hängen.
Es ist extrem nervig, aber das Basteln an Automatisierungen und die geringfügig häufigere Kommunikation mit Lehrern, die Probleme mit irgendwas haben, machen tierisch Spaß und waren auch der Grund, weshalb ich diesen Job so lange durchgezogen habe.

IServ ist eh die genialste Software auf dem Markt, die irgendwie exisitert. Ich frage mich immer noch, wie man so viel falsch machen kann und dann trotzdem so erfolgreich ist. Sarkasmus aus Das ist evtl Thema für einen anderen Post. Aber generell sind zwei Frontends und Backends auf eine Datenbank immer eine komplett doofe Idee, besonders wenn man Altlasten los werden möchte. Aber wenigstens konnte man sich immer auf Fehler in der Software und ein laggendes und unübersichtliches Web-Interface verlassen.

Und dann kamen die Server

Für die Schule haben wir zum Beispiel als AG die Fachwahlen auf AG-Blech gehostet und im Testbetrieb hatten wir noch diverse Software, an der wir uns alle erfreut haben. Das meiste habe ich an den Servern gemacht und habe dadurch den Spaß an Konsolen und dem Basteln von Config-Dateien gefunden. Dazu kam dann privat ein Mailserver dazu, den Moritz und ich für uns selbst und Freunde hoch gezogen haben. Alles in allem eine gelunge Abwechslung.

PiratenIT

Inzwischen bin ich Teil der PiratenIT und extrem zufrieden mit der Arbeit da. Es ist ein fantastisches Umfeld mit extrem coolen Menschen. Wir haben zwar sehr viel aufzuräumen, aber wir haben auch Pläne, Visionen und Leute, die Sachen umsetzen können.

Wie also das ganze?

Menschen helfen gehört bei mir schon immer dazu und es macht einfach Spaß. Mit Leuten zu reden, ihnen zu helfen, Pläne zu schmieden und am Ende ein fertiges Produkt zu haben. Dazu kommt bei mir auch noch, dass ich Spaß am abstrakten Denken habe und auch bei verteilten Systemen, von denen irgendwie keiner mehr Ahnung hat, durchs Ansehen von Configdateien und von Datenbanken, alles zu ordnen, sodass das System entweder ersetzt werden kann oder irgendjemand die Administration übernehmen kann.

Admin sein heißt für mich “Aus Nichts Alles machen und aus Allem Nichts”. Systeme sind Vergänglich, Tools gibt es wie Sand am Meer und wenn man nur irgendwie ein bisschen Ordnung schaffen kann, also eine Konstante ist, hat man etwas Gutes getan. Besonders für eine Organisation, wie die Piratenpartei, die sehr instabil ist. Wenn die Pläne aufgehen, dann wird sich einiges ändern, die Basis gestärkt und der Vorstand entlastet.

Also auf ein spannendes 2019!